Kuba, Indien, Paris: Mein Reisetagebuch einer grenzenlosen Kreativen
Rückblick auf meinen Werdegang, ein Leben, das zwischen zwei Hemisphären aufgebaut wurde
Manche Menschen wählen ihr Leben. Andere lassen es sich aufbauen, Reise für Reise, Begegnung für Begegnung. Ich gehöre zur zweiten Kategorie: zu jenen Menschen, für die jedes durchreiste Land einen bleibenden Eindruck hinterlässt, der sich schließlich in dem wiederfindet, was sie tun und was sie schaffen.
Die ersten Eskapaden: Nouvelles Frontières und die Karibik
Die Liebe führte mich nach Kuba. Die Insel war damals noch sehr isoliert vom Rest der Welt. Kein Internet, wenige Touristen, eine üppige Kultur und eine selten herzliche Bevölkerung. Ich blieb zwei Jahre, sog die leuchtenden Farben der Kolonialfassaden von Havanna auf, tauchte ein in die Rhythmen der Salsa und die afro-kubanischen Zeremonien. Kuba lehrte mich etwas Wesentliches: Reichtum liegt nicht in den Objekten, sondern in den Geschichten, die sie tragen.
Südamerika: das Lernen des langsamen Reisens
Nach Kuba kehrte ich nicht direkt nach Frankreich zurück. Ich bereiste Südamerika: sechs Monate in Chile, Wochen in Argentinien, Peru, Kolumbien. Ich stöberte nach lokalen Handwerksstücken, lernte zu unterscheiden, was authentisch ist und was für Touristen hergestellt wird, entwickelte ein Auge für Material und Geste.
Diesen Geschmack für lokales Handwerk brachte ich nach Paris zurück, wo ich ein Schmuckgeschäft in der Rue de Charonne eröffnete. Das Geschäft lief gut.
Indien: der große Wendepunkt
Mit 32 Jahren traf ich eine Entscheidung, die den Lauf meines Lebens veränderte: Ich ging nach Indien. Die Ausgangsidee war einfach: alte Objekte für das Geschäft suchen, das Land entdecken. Aber Indien ist kein Land, das man durchreist. Es ist ein Land, das einen absorbiert.
Ich gründete dort ab 2004 ein Agenturbüro und begann, Modeaccessoires für internationale Luxusmarken herzustellen. Ich lernte die Feinheiten der indischen Handwerksproduktion kennen, baute ein Netzwerk vertrauenswürdiger Handwerker auf, verstand die lokale Kultur von innen heraus. Neu-Delhi wurde meine Basis. Jaipur, meine Stadt der Kreation.
2018: die Geburt der gleichnamigen Marke
Nach über einem Jahrzehnt, in dem ich für andere gearbeitet hatte, erschien mir das rasante Tempo der Mode sinnlos. Zu schnell. Zu glatt. Zu weit entfernt von dem, was ich vermitteln wollte. Ich beschloss, dass es an der Zeit war, für mich selbst zu kreieren. Im Jahr 2018 gründete ich meine eigene Marke: Dorothée Sausset. Die erste Kollektion hieß „Holistic Story“. Der Name sagt alles: Jedes Schmuckstück ist eine Geschichte, die sich aus Reisen, Begegnungen und kulturellen Inspirationen zusammensetzt, die sich über zwei Jahrzehnte angesammelt haben.
Die Orishas-Kollektion, die darauf folgte, würdigt die afro-kubanischen Gottheiten: eine direkte Anspielung auf diese prägende erste Reise. Die mehrfarbigen Perlen, die geometrischen Muster, die Symbole aus verschiedenen Kulturen: Alles in dieser Kollektion spricht von Kuba, Indien, Südamerika.
Eine Schöpferin, verwurzelt in zwei Welten
Heute lebe ich immer noch zwischen Paris und Neu-Delhi. Ich pendle regelmäßig zwischen der Welt der Pariser Mode und den Werkstätten in Jaipur. Meine doppelte kulturelle Zugehörigkeit ist genau das, was meinen Schmuckstücken ihren einzigartigen Charakter verleiht: weder völlig europäisch noch im touristischen Sinne exotisch, sondern etwas Dazwischenliegendes, eine Synthese zweier Ästhetiken.
Meine Geschichte ist die vieler Designer, die das Reisen nicht zu einem Hobby, sondern zu einer Lebensweise und Arbeitsmethode gemacht haben. Eine Art, sich niemals im Komfort des bereits Bekannten einzurichten.